Denken ist nicht einfach ein theoretischer Akt, sondern eine Form des Gestaltens. Eine Linie im Kopf, die sich durch das Chaos zieht und plötzlich Sinn ergibt. Es ist der Holzrahmen hinter dem Bild, das noch entstehen soll. Und Strategie ist mehr als bloße Planung; sie erfordert viel mehr Kreativität als man glauben mag. Es ist nicht einfach die nüchterne Betrachtungsweise von Fakten und abzuarbeitenden To Dos zur Erreichung eines am Ende stehenden Ziels. Strategie ist vielmehr der Ausgangspunkt für eine Bewegung, an dessen Anfangspunkt (hoffentlich) ein freier Denkprozess steht. Denken bedeutet gestalten, nicht mit Farben auf einer Leinwand, sondern mit Worten, Absichten und Ausrichtung.
Das Bild im Kopf
In der Malerei beginnt es meistens mit einer Idee. Ein Bild formt sich im Kopf, eine Vision von einem „So könnte es sein“. Es folgt der Akt des Handelns geleitet von künstlerischer Intuition. Sie zeigt Wege, wenn wir sie zulassen. Ein Gemälde spricht, wenn wir still werden. Und manchmal zeigt es uns, dass etwas noch nicht ganz stimmig ist. Dann mischen wir die Farben neu, übermalen, treten zurück, rücken näher. Der Entwurf transformiert sich, unsere Vision bleibt, aber die Route ändert sich. Genauso ist gute Strategie: Wir starten mit einem Ziel, setzen eine Richtung, doch der Prozess lehrt uns, zuzuhören und auf Zeichen zu achten. Manchmal heißt das, kleine Anpassungen vorzunehmen, denn der Weg zur Wirkung ist selten linear.
Die Kunst, das Unsichtbare zu ordnen
Für mich ist gute Strategie wie Malerei: Sie beginnt mit einer Vision, einem Gefühl von Richtigkeit. Dann folgen Schichten, Entscheidungen, Striche, die man wieder übermalt. Bis am Ende etwas steht, das trägt. Sichtbar oder unsichtbar. Vielleicht ist gute Strategie sogar genau das: die Kunst, das Unsichtbare zu ordnen, ohne es seiner Lebendigkeit zu berauben.
Wenn ich arbeite, denke ich in Mustern, Bewegungen, Kontexten. Ich höre zu, erkenne Dynamiken und frage mich: Was will hier wirklich gesagt werden? Denn jede Marke, jedes Projekt hat eine eigene Sprache – man muss sie nur finden. Und wie in der Kunst gilt auch in der Strategie, dass diese Sprache nie im luftleeren Raum entsteht. Aus meiner Arbeit mit Unternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz sehe ich sehr klar: Strategie hat immer einen kulturellen Unterbau. Tonalität, Bildsprache, sogar der Grad an Direktheit funktionieren regional unterschiedlich. Es gibt also keine „neutrale“ Strategie. Sie ist immer Ausdruck eines Ortes, eines Publikums und somit eingebettet in Kontext, Kultur und Haltung.
Ambidextrie: Das Gleichgewicht beider Seiten
Forschungen zur sogenannten „kreativen Ambidextrie“ zeigen: Organisationen und Einzelpersonen brauchen die Fähigkeit, gleichzeitig zu explorieren und zu exploitieren.
Exploration meint: neue Ideen, Verbindungen, Unbekanntes betreten.
Exploitation heißt: Bekanntes stärken, Prozesse optimieren, Wirkung erzielen.
Wer nur das eine tut, verpasst Chancen oder bleibt ineffizient. Wer beide Seiten zusammenbringt, schafft Tiefe, Klarheit, Kontinuität.
Strategie ist nicht einfach ein Plan.
Sie ist eine Form der Verantwortung für das, was wir in die Welt bringen.
Und vielleicht auch die stillste Art, Kunst zu machen.
Eine weitere Studie zeigt: Kreativität und strategisches Management sind eng verbunden. Zum Beispiel fanden Nguyen et al. heraus, dass organisatorische Kreativität einen direkten Einfluss auf finanzielle Performance haben kann, wenn Strategie bewusst gestaltet wird. Das heißt: Strategie ist kein nüchternes Kalkül, sondern eine kreative Praxis.
The FRÆN Way
Ich fühle in Marken hinein, höre zu, erkenne Muster, bevor andere sie sehen. Mein Ansatz verbindet Struktur mit Kreativität: Ich lasse Raum für das Überraschende, sichere aber das Fundament. Ein Projekt beginnt nicht mit dem perfekten Plan, sondern mit einer Frage:
Was will sichtbar werden?
Dann mache ich mich auf, bearbeite, korrigiere, justiere. Wie beim Gemälde: eine Textur hier, ein Streifen dort, ein Farbton anders. Bis es stimmt.



